Zwischen Zeitgeist und Servus – Nachdenken über das Sichtbare im öffentlichen Raum und das Unsichtbare unserer Zeit

Ich komme mir immer wieder vor wie das Kind im Märchen über des Kaiser´s neue Kleider. Aber Entscheider zu kritisieren, um Verbesserungen zu bekommen, führt nicht wie im Märchen zu einem Happyend sondern zur Ausgrenzung. Denn zuerst wird dann entschieden, daß man aussortiert wird, weil man das sagt, was man sagt. Das hat man mir damals auf dem Leibniz Gymnasium schon beigebracht und ich hätte besser drauf gehört. Nun höre ich drauf und verabschiede mich von dieser Stelle zu der Zeit als Saturn in den Steinbock wechselt. Ich blicke noch einmal kurz zurück:

 

  • Über die Verhunzung des Umgangs mit Erinnerungskultur zum Thema Nationalsozialismus in Remscheid mit dem Nazilöwen durch Teile der politischen Klasse habe ich mehrfach und ausführlich geschrieben. Fakt ist, sie stehen immer noch überall als „viele, viele bunte Nazis“ und zeigen für mich als Symbole den Rassenhass wie er in dem Nazisymbol angelegt ist. Selbst Lehrer wollen nichts davon hören bei persönlichen Gesprächen weil sie sonst Konflikte austragen oder aushalten müssen bis zu den Pflegern des regionalen Zeitgeistes. Ein paar Mitstreiter hatte ich und denen danke ich, zumal sie unabhängig ohne mich aus der Sache heraus agierten. So bleibt festzustellen, daß die Erinnerung in Remscheid wohl höchstens im Pferdestall stattfinden soll und nicht in der Mitte des öffentlichen Raums, da wo auch die Naziwelt in bunter Form noch zu sehen ist. Die Niederländer machen uns vor, wie es anders geht, in der Nähe ihres DOC in Vermond. Es ist keine Frage des Geldes sondern des politischen Willens.
  • Über die Verhunzung des öffentlichen Raums in Remscheid mit seiner Schuhkartonarchitektur, der Zerstörung sämtlicher visueller Schönheit im Zentrum und drumherum habe ich geschrieben. Symbolhaft sei die Brücke am Bahnhof genannt, die wahrscheinlich längste schwingende Laderampe Deutschlands. Kleine Treffpunkte vor Ort sind fast nirgendwo mehr, nur Hundekackstellen gibt es immer mehr.
  • Über die zunehmenden Probleme mit Luft und Raum und Anbindung habe ich geschrieben. Wenigstens die Verbesserung im öffentlichen Personennahverkehr hätte ich von den handelnden Personen erwartet. Aber es geschah nichts. Heute war ein Leserbrief in der Rheinischen Post, der mitteilte, das vor ein paar Tagen beide Züge nach Düsseldorf ausgefallen waren aber als es den vrr noch nicht gab, fuhren täglich Züge nach Essen, Düsseldorf und Köln. Da war Remscheid angebunden und eine kleine Großstadt auf dem Berge.
  • Über viele Jahre habe ich visuell die Entwicklung des öffentlichen Raumes hier dokumentiert. Es ist nichts geschehen von dem, was politisch versprochen wurde. Es ging so weiter wie es vorher war. Leer und hohl grinst uns dies nun alles im Vorbeigehen an.
  • Über die neuen Probleme habe ich auch geschrieben. Für mich ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, daß Asylsuchende hier materiell mit deutschen Staatsbürgern gleichgestellt werden und dann auch noch ohne Kontrolle, wer hier eigentlich ist. Aber ich kann leider nur noch zusehen – und vielleicht ein paar Fotos machen. Und dann das Thema Rente! Viele im Bundestag wollen schon die Rente mit 70 für die Anderen. Dazu ist ihnen jede Lüge recht. Dabei beziehen sie sich auf die Lügen, die sie schon vor ein paar Jahren als Wahrheit ausgaben. Aber es bleiben Lügen, die hochbezahlt erstellt wurden. Man muß nur statt Arbeit die Kapitalerträge versteuern und die Produktivität stärker berücksichtigen und schon haben wir ein bombensicheres Rentensystem. Aber das wollen sie nicht hören. In Österreich führt die Regierung Kurz gerade eine Mindestpension von 1200 Euro für alle ein, die gearbeitet haben, plus 1200 Euro Weihnachtsgeld. In Deutschland schickt man fast eine halbe Million Rentner zu den Tafeln. Zusammengefaßt: in Deutschland lohnt sich Leistung nicht mehr, in Deutschland lohnt sich Bildung nicht mehr und in Deutschland lohnt sich Sparen nicht mehr, weil man bei Arbeitslosigkeit erst verarmen muß bevor man erhält, was für Illegale selbstverständlich ist und weil es keine Zinsen mehr gibt, wenn man etwas angespart hat.

Es zeigt sich gerade, daß unsere Kultur und Geschichte hier offenkundig bewußt verschwinden sollen. Ich bleibe nur konkret im öffentlichen Raum hier vor Ort: Auf dem Rathausplatz ist der Nazilöwe in der halboffiziellen Diktion kein Nazilöwe mehr sondern ein bergischer Löwe und auf dem Rathausplatz gibt es keinen Weihnachtsmarkt mehr sondern einen Wintertreff. Damit ist Remscheid symbolisch politisch jenseits jeder Geschichte und Kultur angekommen. Die Verleugnung der eigenen Kultur und Geschichte ist in meinen Augen völlig falsch. Verbale Selbstabschaffung ist keine Lösung. Leben als Konsument ohne eigene Identität wird nicht reichen. Identität entsteht durch Abgrenzung.

So endet mein Auftritt hier und ich übergebe auch diesen Teil meines aktiven Engagements an die Generation nach mir und andere weiter. Sie wollen in die Verantwortung, sie tragen sie zum Teil schon und sie werden dieselbe Suppe auslöffeln müssen, die sie mir und sich einlöffeln, wenn sie so weitermachen. Das werde ich nicht ändern können. Aber ich habe es aufgeschrieben, akzeptiere die Wirklichkeit wie sie ist und ende mit dem Satz von Spartakus „So wunderbar die Gabe des Wissens ist, so wenig hat sie doch Macht über das Geschehen.“

Viel Erfolg!

Text 1.1