Wie man Untertanen macht – Pädagogik an Beispielen aus dem Raum Remscheid

Die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen bedeutet einfach Dinge mal zu beschreiben. So sehe ich es:

 

Erinnerungskultur im Pferdestall

Die Remscheider Politik lobt Schüler einer Projektgruppe für Geschichte dafür, daß sie auf dem Polizeigelände eine Dauerausstellung über Verfolgte errichten wollen, da wo der Pferdestall war, weil diese dort auf ihren Abtransport warteten. Sicher kann man das loben. Aber das zeigt auch schon, wo wir mental gelandet sind.

Ich hätte von den Lehrern erwartet, daß sie die Schüler dazu bringen, ein Projekt zu machen, bei dem auf dem Rathausplatz der Nazilöwe verändert wird und dann auf die Folgen dieses Geistes bis zum Pferdestall verwiesen wird. Denn die Erinnerung an die Ermordung Andersdenkender in einen Pferdestall zu stecken statt in die Mitte der Gesellschaft sagt viel über die vorhandene Mentalität und den Umgang mit Geschichte aus. Bei uns wird sie versteckt woanders ist sie Teil der Gegenwart.

Vom Staatsbürger, einem kritischen Politikverständnis und staatsbürgerlicher Verantwortung bleibt also nur das übrig.

Bedeutet also beamteter Lehrer zu sein als Aufstieg des kleinen Mannes/der kleinen Frau, wieder systemstabilisierende Mentalität zu reproduzieren im Sinne der herrschenden Verhältnisse?

Das Grundgesetz ist da weiter.

Aber das ist noch nicht alles.

 

Almosen für materiell Arme

Schüler sammeln für die Tafeln, oft in Gymnasien, steht jedes Jahr in den Tageszeitungen kurz vor Weihnachten. Die Lehrer sind des Lobes voll, die Politiker vor Ort jubeln und die Kinder haben das Gefühl, etwas Gutes zu tun.

Wie fürchterlich! Statt alle Kinder aufzufordern, zusammen mit den Lehrern auf den Rathausplatz oder vor das Jobcenter zu gehen, um für die Abschaffung von Hartz 4 zu demonstrieren, wird genau die gegenteilige Erziehung praktiziert. Zumal wir ja wissen, daß auf Gymnasien mitterweile wieder fast nur noch die sind, die es sich leisten können (selbst in Gesamtschulen) und so zugleich ein Die Hartzer und Wir Gymnasiasten praktiziert wird statt den Aufstand der Schüler einzuüben gegen eine asoziale Politik, die sie selbst ihr Leben lang begleiten wird, wenn sie nicht Beamte werden oder von zu Hause die Zukunft gemacht wird. (Damit sind wir ja noch gar nicht bei der herrschenden Schicht, die ihre Kinder auf Internate schickt. Das spare ich mir, die gehen hier auch nicht zur Schule.)

So ändern sich Ansprüche und Bewußtsein!

Ich habe diese Beispiele gewählt, weil sie gerade passieren und zeigen, warum „die“ Kinder von heute so werden wie sie dann sind. Das ist kein Jammern über die Jugend, weil sie später im Leben sich fragen werden, wieso ihnen das keiner gesagt hat, was sie dann bei Ausgrenzung, schlechten Jobs und sozialen Problemen trotz Qualifikationen erleben. Denn die Agenda2010 hat per Gesetz zur völligen Entwertung von Bildung geführt. Abitur und Studium werden nicht mehr für die Rente anerkannt und wenn man arbeitslos wird bei den Jobs aberkannt. Und dann bleiben die beamteten Lehrer mit den Schülern ruhig und sammeln für die Tafeln – so geht das.

Es zeigt sich sehr deutlich, wie Erziehung funktioniert im Sinne der Reproduktion von Untertanen und wie die Abschaffung von kritischem Bewußtsein trainiert wird.

Wer früher so alt war wie heute die Jungen landet zunehmend wegen dieser Gesetze in den nächsten Jahren dann bei den Tafeln, obwohl er/sie Jahrzehnte gearbeitet hat und/oder die Familie versorgt hat. Leistung lohnt sich nicht mehr, Sparen lohnt sich nicht mehr, Bildung lohnt sich nicht mehr – das hat die Politik wirklich gut gemacht.

Das Grundgesetz ist da weiter. Das Grundgesetz will einen Sozialstaat mit sozialer Sicherheit für alle Staatsbürger (nicht nur für Beamte) und politisches Bewußtsein, das die herrschenden Verhältnisse, nicht zu verwechseln mit dem Grundgesetz, kritisch hinterfragt und die von der Politik gemachten sozialen Verhältnisse nicht ungefragt übernimmt. So habe ich es gelernt. So entsteht auch Leistungswillen und Staatsbürgertum. Bildung muß sich lohnen, Arbeit muß sich lohnen auch bei evtl. Arbeitslosigkeit und Arbeitnehmer sollten bei Arbeitslosigkeit und im Alter materiell nicht mit Asylanten sondern mit Beamten gleichgestellt werden.

Aber das ist wohl altes Wissen, digital würde man sagen, dieses Betriebssystem wurde eingestellt.