Weniger als ein Drittel der über 60jährigen hat eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit

Das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen hat die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit untersucht:

„Gibt es einen Trend zu einer höheren Erwerbstätigenquote im Alter und in welchem Ausmaß reicht diese Erwerbstätigkeit an die gegenwärtigen und zukünftigen Altersgrenzen in der Rentenversicherung heran?
Es ist jedoch zu kurz gegriffen, die gegenwärtige Situation älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt allein mit dem Merkmal „Erwerbstätigkeit“ beschreiben zu wollen. Denn in den auf den Ergebnissen des Mikrozensus beruhenden Zahlen wird nach dem sog. ILO-Konzept unter „Erwerbstätigkeit“ jede Form der Erwerbsbeteiligung verstanden. Erwerbstätige sind nach dem ILO-Konzept alle Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in der Berichtswoche zumindest eine Stunde gegen Entgelt oder als Selbstständige bzw. als mithelfende Familienangehörige gearbeitet haben. Keine Rolle spielt dabei, ob es sich bei der Tätigkeit versicherungspflichtige oder eine versicherungsfreie Beschäftigung handelt. Erfasst werden auch gelegentlich ausgeübte, eher marginale Tätigkeiten. Aus der ILO-Definition der Erwerbstätigkeit folgt also, dass neben Selbstständigen und Beamten auch abhängig Beschäftigte mit einer Beschäftigung im untersten Stundenspektrum und im Status eines Mini-Jobs (geringfügige Beschäftigung) zu den Erwerbstätigen zählen. Um diesem Problem zu begegnen, werden hier nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse betrachtet.“

Wissenschaftlich seriös und sozial real wird also die Lebenswirklichkeit von einem wachsenden Teil von Menschen untersucht, die kurz vor der Rente stehen. Das Ergebnis ist so eindeutig, daß die Politik fahrlässig handelt, wenn sie nicht reagiert:

„Nur 32,9 % der 62- Jährigen, 22,4 % der 63-Jährigen und 17,3 % der 64-Jährigen üben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aus. Zudem ist zu berücksichtigen, dass jeweils etwa 30 % der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in den Altersgruppen 60 – 64 Jahre in den Kreis der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigten fallen. Im Ergebnis finden sich im Alter von 64 Jahren also nur noch 12,1% der Bevölkerung in einer versicherungspflichtigen Vollzeittätigkeit.“

Da nun langsam die geburtenstarken Jahrgänge in dieses Alter kommen, wird die Politik wachsende Probleme lösen müssen. Entweder muß die Rente mit 67 zurückgenommen werden oder es müssen Gesetze her, die zur sozialversichtungspflichtigen Einstellung verpflichten bzw. sozialversicherungspflichtige öffentliche Beschäftigung schaffen.

Gedanken dazu finden sich z.B. hier.