Remscheid – eine Stadt voller Entwurzelter

Remscheid galt lange als Industriestadt auf dem Berge. Sie war berühmt für den regen Handel und seine reichen Kaufleute. Davon zeugt heute vor allem das Werkzeugmuseum in Remscheid.

Weil in Remscheid die Industrie wuchs, wuchs auch die Nachfrage nach Arbeitskräften.

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen sie aus den deutschen Ostgebieten, nach dem Zweiten Weltkrieg kamen sie aus allen deutschen Regionen, um hier Arbeit zu finden.

Davon zeugt die Steinplatte über die Hergeluopenen aus Hessen. (Dabei ist das Wort nicht so böse gemeint wie es auf einige wirkt wie man an einem Eintrag der Lüttringhauser Volksbühne sieht.)

Und die meisten fanden auch Arbeit und wollten arbeiten. So blieben die Deutschen aus anderen Regionen des ehemaligen Deutschen Reiches in Remscheid.

Dann kamen die sog. Gastarbeiter in den 60er Jahren. Italiener, Spanier und Türken aus Armutszonen ihrer eigenen Länder kamen nach Remscheid und bauten hier ihre Existenz auf. Auch sie wollten arbeiten. Hier bekamen sie Wohlstand durch eigene Anstrengung und entkamen der Armut ihrer Heimatländer.

Und dann geschah etwas Neues.

Es gab keinen neuen Krieg sondern es wuchsen erstmals viele neue Menschen in Remscheid auf, die auch Arbeit suchten.

Zunächst ging es gut bis zum Ende des Ostblocks, symbolisiert durch den Fall der Mauer.

Dann passierten einige Dinge, die alles veränderten. Die Politik zerstörte im neoliberalen Wahn die regionale Industrielandschaft mit ihren Arbeitsplätzen und riß gleichzeitig den Sozialstaat ein.

Die EU verlagerte mit deutschem Geld die Arbeitsplätze nach Osteuropa und Asien unter dem Jubel der deutschen Politik und nahm den Menschen, die hier und anderswo ihre Arbeit verloren, ihre Hoffnung und ihr Erspartes ab.

Und sie öffneten die Grenzen ohne sozialen Schutz einzuführen, so daß auch in Remscheid Löhne von 3 bis 5 Euro pro Stunde angeboten wurden. Das war nach 1990.

Daher war die Einführung eines Mindestlohns durch Andrea Nahles eine der kleinen großen Verbesserungen, nachdem das gesamte arbeitende Volk ausbluten mußte. Aber selbst das ist noch umstritten.

Die alten Remscheider Eliten sind mittlerweile verstorben und deren Erben haben meistens ihre mittelständischen Unternehmen verkauft und machen sich ein gutes Leben, von ein paar Ausnahmen abgesehen.

Und dann wurde durch Hartz 4 ein Asylsystem etabliert, das Menschen ohne Anspruch mit diesem Zauberwort auf den Lippen erlaubt, hier wunderbar zu leben ohne jemals zu arbeiten und durch möglichst viele Kinder das Monatseinkommen fast unbegrenzt aufzustocken. Das ist nicht rechts sondern richtig, denn das sind Fakten.

Asyl als Schutzrecht wurde bewußt verwechselt mit einem unbegrenzen Recht auf Konsum auf Kosten der Arbeitnehmer und Rentner.

Migrationsforscher schlagen die Hände über dem Kopf zusammen und fragen sich, wo man hier ist. Akzeptanz bedeutet nämlich, daß die aufnehmende Bevölkerung dies annimmt und nicht ablehnt. Dazu würde aber gehören Migranten und Asylanten rechtlich anders zu stellen so daß z.B. Migranten und Asylanten mehr Steuern zahlen müssen und weniger Sozialleistungen erhalten als die, die hier geboren sind und hier gearbeitet haben (wie das in klassischen Einwanderungsländern auch ist und auch für Asylberechtigte gilt und übrigens das Erlernen der Sprache zwingende Voraussetzung für das Bleiberecht ist und es dafür nix gibt statt nur Abzüge).

Das geht ohne Probleme, denn es sind zwei paar Schuhe. Man muß sich verdienen dabei sein zu dürfen und nicht erst einmal alles ohne Arbeit erhalten auf Kosten der Einheimischen, denen man seit Jahren immer mehr wegnimmt. So geht Akzeptanz.

Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Menschen, die kostenlos eine Wohnung erhalten, Gesundheitsversorgung, jeden Monat Geld und je größer ihre Familie ist, desto mehr, mehr als sie mit Arbeit verdienen können, dann arbeiten gehen und die Sprache mit Prüfung als zwingende Bleibevoraussetzung erlernen?

Bei Kumpel Ali war es damals in den 60/70er Jahren übrigens anders. Der war sofort in Arbeit

Und nun kommen immer mehr Menschen nach Remscheid, deren Wurzeln woanders sind und es wachsen immer mehr Menschen in Remscheid auf, die hier ohne Arbeit bleiben werden.

Denn die Industriearbeitsplätze sind weg und die Dienstleistungsbranche bietet nicht so viele Möglichkeiten.

Viele der früher hier Angekommenen Entwurzelten wollen hier aber nicht mehr weg. Wer hier Arbeit gefunden hat, will hier auch seine eigenen Wurzeln aufschlagen. Das ist bemerkenswert und führt dazu, daß Remscheid eine stabile Struktur von Menschen in Eigenheimen und Wohnungen hat. Man will hier ankommen.

Das gilt auch für einige von denen, die hier viele Kinder haben aber nie arbeiten werden. Sie erhalten ohne Arbeit mehr als andere mit Arbeit und würden mit Arbeit nie so viel erhalten wie ohne Arbeit mit Kindern.

Und ich bemerke nocht etwas. Viele der jungen Türkinnen und Türken fühlen sich in Remscheid ohne Wurzeln obwohl sie hier geboren sind. Bemerkenswerterweise schwärmen sie von der Türkei und von ihrem Erdogan und wählen ihn sogar. Und sie setzen die Ideologie von Erdogan um, der möglichst viele Kinder von „seinen“ Türken in Deutschland sehen will, die ja durch deutsche Sozialleistungen aufgezogen werden, um den politischen Islam auf deutsche Kosten hier zu stärken.

Kopftücher auf den Strassen als Symbol dieses politischen Islams boomen und in der türkischen Community wird mittlerweile sogar Alice Schwarzer als Rassistin und Anti-Feministin beschimpft.

Das ist jenseits des Verstandes, Irrwahn im Islam?

Diese Erdoganverliebten KopftuchanhängerInnen gehen aber nicht in „ihre“ Heimat Türkei „zurück“, wahrscheinlich weil Remscheid und der deutsche Staat ihnen die Grundrechte und sozialen Leistungen ermöglichen, die ihnen ihr Vorbild in der Türkei nicht bietet, das eher für Angst und Schrecken in den letzten Jahren berüchtigt wurde. Das alles war ja mal anders.

Die Stadt selbst ist im totalen Umbruch.

Die Politik hat nichts getan, um den Strukturwandel zu begleiten sondern alle Menschen und die Stadt sich selbst überlassen. Nun ist das Jammern groß. Aber so ist das nun mal gewesen.

Gut daß der vorvorletzte Oberbürgermeister nicht noch das Remscheider Wassernetz verkauft hat, dann wäre alles noch schlimmer.

Entwurzelte, die angekommen sind und Entwurzelte, die ankommen und viel zu wenig Arbeit ist die neue Mischung.

Mir wurde schlagartig die fatale soziale Situation klar, als ich hörte, daß die Gesamtschule Klassen hat, die zu zwei Dritteln aus Hartz4 Familien kommen.

Aber das ficht die regierenden Parteien nicht an. Die SPD tut immer noch so als ob das Geld auf den Bäumen wächst, nimmt es den Fleissigen ab und gibt es den Anderen und die CDU hat nur Antworten aus dem vorletzten Jahrhundert. Alles dazwischen ist eher zufällig.

Ich weiß nicht, ob meine persönlichen Beobachtungen schon durch offizielle Untersuchungen belegt sind. Aber das ist auch egal, weil meine Beobachtungen real sind.

Und damit verabschiede ich mich für die nächste Zeit.

 

 

 

 

 

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