die vielen toten fische … Ketzer in Remscheid: Leben die Gedanken von Heinrich Böll, Hans A. Pestalozzi und Sigmund Freud in den Köpfen vieler Remscheider?

„und die vielen
die toten fische die nur mit dem strom schwimmen können
die angepaßten eben
denen stets alles recht ist wie es ist …“

Heinrich Böll

Gegen herrschende Konventionen zu sein oder intellektuelle Dissidenz zu leben bedeutet immer noch ein „Ketzer“ zu sein.

Das Wort ist ein Machtwort der Herrschenden gewesen, um andere Meinungen zu diskreditieren.

Der Preis der Ketzerei ist die Ausgrenzung, oft sogar die Vernichtung der Existenz.

Umgekehrt ist es die Anpassung, wenn man sich den herrschenden Trends und Ideologien fügt.

 

„Oberstes Ziel ist das Überleben, gefolgt von Sex.“

Das ist das Gesetz der Existenz.

Danach und in einer Demokratie mit gesicherter Meinungsfreiheit, für die man sich einsetzen muß, kommt mehr.

Demokratie bedeutet den Mund aufmachen für das, was man will und das, was man nicht will.

Daraus wird deutlich, es gibt mehrere Antworten und deshalb sind die Regeln der gegenseitigen Achtung und die Menschenrechte so wichtig, wenn man friedlich zusammenleben will. Das hat immer wieder viele Jahre regional funktioniert. Aber es waren und sind immer Machtfragen. Auch Menschenrechte brauchen Macht, also Menschen und Armeen, die dafür eintreten.

Ohne Armee kommt die Angst, mit einer Volksarmee reduziert sie sich am besten, weil alle mitmachen müssen. Das ist zusammen mit einer guten Schulbildung und gesicherten sozialen Verhältnissen mit Fördern und Fordern der beste Weg, um eine Demokratie zu schützen und ihre Werte zu vermitteln im Sinne von Staatsbürgern in Uniform.

Man muß sich bekennen und entscheiden.

„Die andere Seite der Wahrheit, gerade auch die finstere, die von den Siegern verdunkelte oder einseitig bestimmten Personen in die Schuhe geschobene, ist nämlich eine Realität. Der optimistische Fortschrittsglaube so vieler Menschen von heute, derjenige der Zweckoptimisten unter den Siegern nicht ausgenommen, tut aber so, als existiere die dunkle Seite des Menschen oder der menschlichen Institutionen nicht. Wie aber soll es unter diesen Umständen einem Menschen gelingen, seinem Leben einen Sinn zu geben?

Dabei ist es doch erklärte Absicht aller richtigen Erziehung, dem Menschen zu helfen, auch das Problematische des Lebens zu akzeptieren, ohne sich dadurch besiegen zu lassen. Das Rezept eines Sigmunds Freud etwa lautet nicht von ungefähr: Nur durch mutiges Kämpfen gegen scheinbar übermächtige Widrigkeiten kann es dem Menschen gelingen, seinem Leben einen wirklichen Sinn abzuringen.“

Diese wunderbaren Worte sind übrigens aus dem Buch Ketzer in Deutschland von Horst Herrmann.

Deshalb ist so verstandene Ketzerei immer Herrschaftskritik, die Demokratie real schützen will.

Demokratie bedeutet dabei soziale Sicherheit und geheime Wahlen. Ohne soziale Sicherheit haben die Mächtigen schon vorher gewonnen.

Ob man sich mit solchen Gedanken Freunde macht?

Einer der bekanntesten Ketzer der letzten Jahre neben Heinrich Böll war in Europa Hans A. Pestalozzi.

Sein Schicksal bestätigt jedes Wort hier.

Aber im Angesicht der eigenen Endlichkeit kann man eben auch Mut haben, auch wenn das kollektive Gedächtnis und das Geschichtsbuch kein Trost sind.

Ist Mut Ketzerei?

Und niemand zahlt dafür aber der Ketzer bezahlt dafür.

Wie würden Sie darauf antworten?

Camus hat dies alles gesehen und zumindest mich mit Sisyphos existenziell verortet.

Ich ende bei seinem Gedanken:

„Das Elend hinderte mich, zu glauben, daß alles unter der Sonne und in der Geschichte gut sei; die Sonne lehrte mich, daß die Geschichte nicht alles ist.“

Da ich keine Lust auf die Rolle eines Ketzers von Remscheid habe, stoppe ich hier die Darstellung der anderen Seite der sozialen Wirklichkeit von Remscheid und hoffe darauf, daß in der Wupper und im Eschbach nicht nur tote Fische schwimmen.